15. August 2010
Zwei Dinge quälen uns besonders, wenn wir gescheitert sind. Die Scham, versagt zu haben und die Idee, selbst schuld zu sein. So auch nach Insolvenz, egal, ob wir direkt betroffen sind oder indirekt. Es trifft Schuldner und Gläubiger, Angehörige und Angestellte.
Was für Außen Stehende nur schwer nachzuvollziehen ist, sind die Sebst-Vorwürfe der passiv Betroffenen, der Angehörigen, der Angestellten, der Gläubiger. Wir kennen das auch von Opfern von Grenzüberschreitung, von Gewaltopfern.
Gegen Scham und Schuldgefühle hilft kein vernünftiges Argument. Nur wenn wir sie als verständliche Reaktionen auf das Geschehen akzeptieren, haben wir eine Chance, sie zu bewältigen. Das setzt aber voraus, dass wir Fehler als normalen Teil menschlichen Handelns akzeptieren.
In der Kultur, in der wir leben, gilt jedoch, dass Fehler unbedingt zu vermeiden sind. „Mach bloß keine Fehler!“ So haben wir es von Kindheit an gelernt! „Schäm dich!“ Auch das gehört dazu. Wer Fehler macht, ist dumm, unaufmerksam oder gar bösartig. „Ab in die Ecke!“ Dass Fehler auch Lernchancen sind, ist weitestgehend unbekannt oder wenig akzeptiert.
Im Gegensatz dazu steht, dass die großen Religionen, die unserer Kultur zugrunde liegen, Fehlerfreundlichkeit als Ausdruck von Menschenfreundlichkeit lehren. Die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen statt zu verzweifeln und die Fähigkeit zu vergeben, auch sich selbst zu vergeben, statt zu hassen und sich selbst mit Vorwürfen zu zerstören, sind hohe Tugenden!
“ Sündige tapfer, aber glaube tapferer!”, so Luther zu Melanchthon.
Hier könnte man sagen:
„ Mutig das Scheitern riskieren, aber noch mutiger aufstehen und das Beste daraus machen!“



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Hallo Herr Bohrisch,
ich bin selbst gescheitert und musste mein gewerbe das ich
mit 18 Jahren angemeldet habe jetzt mit fast 20 jahren abmelden. Ich muss zugeben das mich genau diese Fragen wie “was habe ich falsch gemacht?” oder “was sollen die anderen nun von mir denken?” quälen. Dennoch weis mein gesunder Menschenverstand das man , wie Sie schon oben im zitat erwähnt haben das Beste daraus machen muss. Ich steh zwar jetzt kurz vor der frage ob ich eine Insolvenz einreiche. Diese Frage an mich allein quält mich schon sehr !!!
Mal schauen wie ich das alles verdauen werde.
Viele Grüsse Enrico M.
Enrico M.
8. September 2010
02.
Lieber Enrico M.,
auch wenn eine drohende Insolvenz sich sehr existentiell anfühlen mag und mit ihr viele Lebensträume erst einmal zu ende gehen …. Ich bin mir sicher, Sie haben in Ihrem Leben schon kleinere oder größere Krisen durchstehen müssen, d.h. Sie wissen in etwa, wie Sie in Krisensituationen reagieren. Menschen machen das sehr unterschiedlich und jeder von uns hat Bewältigungsmechanismen, die unbewusst ablaufen und bewusst eingesetzt werden können. Welche sind Ihre?
Ich möchte Sie sehr dazu ermutigen, nicht nur zuzuschauen, wie Sie das verdauen werden, sondern Einfluss darauf nehmen, was Sie schlucken werden und was nicht.
Herzliche Grüße,
Bärbel Rapp
Bärbel Rapp
9. September 2010
03.
Liebes Auf-Richtungs-Team,freue mich, endlich mal wieder am heutigen Abend teilnehmen zu können. Zur aktuellen Thematik möchte ich kurz meine – zur Zeit recht frischen Eindrücke aufführen: nachdem ich fast 18 Monate (das war früher mal der Grundwehrdienst!) um die PI gekämpft habe und nun bereits 15 Tage und 8 Stunden von meinen 6 Jahren abgebaut hinter mir habe, war es ein befreiendes, beglückendes und entlastendes Gefühl, das mich umgab, als ich den Beschluss in der Hand hatte. Natürlich kommt noch hinzu, dass man an einen Treuhänder gerät, der nicht nur die ihm auferlegten Gläubiger-Rechte im Visier hat, sondern der (in meinem Fall ist es eine nette Dame)sich auch und intensiv um den Schuldner kümmert – nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Meine Kinder haben mir Glückwünsche übermittelt – teilweise mit Fragezeichen. Ich sehe es zur Zeit voll und ganz ohne Fragezeichen. Bis später grüße ich herzlich.
Roland
5. Oktober 2011
04.
Lieber Roland,
schön, dass Sie als Teilnehmer unserer Gesprächsrunde wieder mit dabei sind.
Und das Sie uns unterstützt haben über das (Tabu)Thema Trauer so intensiv ins Gespräch zu kommen. Ihre Beschreibungen und Differenzierungen von trauerauslösenden Ereignissen und Trauerarbeit, wenn es um den Verlust eines lieben Menschen und den Verlust von wirtschaftlichen Grundlagen geht, sind für uns alle wichtige Denkanstöße gewesen.
Ich freue mich auf unser nächstes Treffen
Bärbel Rapp
Bärbel Rapp
11. Oktober 2011
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