7. Mai 2010
Das ist die Frage. Was meinen Sie dazu?
Das letzte Gruppen-Treffen am 28.April drehte sich unter anderem um die Frage: Weil ich insolvent bin und bald 50 werde finde ich keine Arbeit, bekomme nur Absagen. Das ist doch Zeit die ich nicht mehr zurückbekomme.Wir haben uns daher vorgenommen uns beim nächsten Treffen mit folgenden Fragen zu beschäftigen.
- Keine Arbeit, vertane Zeit, Zeitverlust?
- Was macht den Wert unseres Lebens aus?
Inzwischen haben wir die erste Meinung dazu erhalten (siehe den ersten Kommentar!).



Kommentare >
Kommentar schreiben01.
Verlorene Zeit gibt es nicht. Egal was man gemacht hat. Es sind Erfahrungen, die man gewinnt und das kann keine Verschwendung sein. Diese sind doch so wichtig für unser Leben und eben auch für unsere Zukunft. Ohne diese können wir gar nichts mehr richtig einschätzen. Gerade auch in der “Insolvenzzeit”. Man lernt doch so viel dazu und es wächst daraus die Kraft, dass man es das nächste Mal einfach besser macht. Ich finde es sehr gut, dass es solche Experten gibt, die einem dabei unterstützen, den richtigen Weg für sich zu finden.
Martha
7. Mai 2010
02.
Guten Morgen,
gestern Abend habe ich den Entschluss gefasst, auch einmal einen Kommentar zu schreiben.
Das Pfingstwochenende hat mich um Wochen zurück geworfen.
Ich bin ein „Kind“ der 60er Jahre (1960) und ich glaube, dieser Jahrgang hat es in sich.
Viele meiner Bekannten haben es zu etwas gebracht.
Viele meiner Bekannten sind (hoffnungslos) gescheitert.
Alles 60er.
Kurz vor Pfingsten hatte Nena Geburtstag. Sie ist 50(!) geworden.
Es wurden in einer Talkshow die einzelnen Phasen ihres Lebens, ihrer Karriere gezeigt.
Da wir in etwa gleich alt sind, habe ich zu jeder ihrer Phase sehr gut Parallelen zu meiner „Karriere“ ziehen können.
Schrecklich! Für mich.
Über Pfingsten wurde berichtet wie Chirsta Kinshofer-Rembeck (achtfache dt. Skimeisterin und mehrfache Silber-medaillengewinnerin – heute Autorin und Motivations-trainerin) ihr neues Buch vorgestellt hat. Und das auch mit -naja fast- 50 Jahren.
Ich spürte förmlich wie ich blass wurde!
Die beiden (sind ja nur Beispiele aus jüngster Vergangen-heit) haben es geschafft.
Und wenn ich mir dann mein Leben anschaue?
Ich hatte es auch (fast) geschafft.
Und jetzt beziehungslos, arbeitslos und insolvent.
Mit der Insolvenz kann ich sehr gut leben. Es kommen keine bösen Briefe mehr, es kommen keine unangenehmen Besuche und ich komme wieder zur Ruhe.
Aber die fürchterliche Einsamkeit und Arbeitslosigkeit!
Und es ist doch vertane (Lebens-)Zeit (auch wenn ich in dieser Zeit viel gelernt habe und noch lerne)!
Wäre mein Einkommen wieder geregelt, hätte ich mein Auskommen. Und ich könnte in Ruhe meinen Verbindlichkeiten nachkommen (ich hätte nie Insolvenz anmelden müssen).
Ich hatte schon weiß Gott schwierigere Zeiten, doch damals hatte ich noch eine Partnerin (die ich durch eigene Dummheit verloren habe), die mich in allen Belangen unterstützt und aufgebaut hat.
Aber so als ungewollter Hardcore-Single mit 2 Hunden und ohne Freunde (da ich mit jedem Cent rechnen muss und ohne Geld nirgendwo hin komme – die verbliebnen Freunde, wohnen in meiner ehemaligen Heimat) ist es verdammt nicht leicht.
Ich schweife ab.
Gestern sprach ich mit einem Freund, den ich auch schon einmal in unserem Kreis erwähnt habe, der die Bemerkung machte:
Du hast auch viel geschafft… bis zum… und da hast Du den Hebel in die verkehrte Richtung gelegt! Und jetzt bist Du zu alt und zu eingefahren den Hebel noch einmal umzulegen…(er weiß von meiner Insolvenz)
Bumm… das hat gesessen. Ich musste einige Male schlucken.
Seitdem versuche ich nun, meine Gedanken und meine Ein-stellung wieder in die richtige Richtung zu bringen….
In unserem Kreis „Auf>Richtung“ reden wir wirklich über interessante Themen. Eine gute Möglichkeit Probleme anzu-sprechen, zu sehen, es geht anderen Menschen in etwa auch so.
Trotzdem glaube ich, dass es bei gewissen Themen/Problemen unerlässlich ist, dass sich der Einzelne psychologische Hilfe holen sollte. Denn es gibt viele Probleme dieser Art, die nicht alleine oder mit Hilfe der Familie gelöst werden können.
Jetzt beißt sich der Hund wieder in den Schwanz! Also der Kreislauf schließt sich wieder.
Als beziehungsloser, insolventer Arbeitsloser, wie soll man sich da eine fachliche, psychologische Betreuung leisten können?
Aber es geht bergauf! Zwar nur langsam aber ich merke, dass ich von 2 Schritten vorwärts, keine 3 mehr zurück mache! Sondern max. einen.
Einen lieben Gruß an alle
Thomas
Thomas Reis
26. Mai 2010
03.
Lieber Thomas,
ja, Sie haben völlig recht. Sich in einem Raum zu erleben, der mit Sinn-Leere, Stille, Kälte, Enge und Einsamkeit gefüllt ist, muss erschreckend sein und Angst auslösen. Sich selbst zuhören, das ehemals Gelebte reflektieren noch ohne dem Wissen, was soll davon in meinem zukünftigen Leben bleiben, was kann ich gut verabschieden und wofür mache ich mich jetzt neu auf, ist eine große Herausforderung. Vielleicht eine der größten, die das Leben uns stellen kann. Ich freue mich immer über und für jeden Menschen, der diese Chance zu nutzen vermag.
Und auch da haben Sie recht. Es macht Sinn, sich dabei begleiten zu lassen!! Psychologische Beratung ermöglicht es uns, die alten Sätze – die oft in neuem Gewand daherkommen (z.B. ein Freund, der „weiß“ was und wer richtig und falsch ist) – in Frage zu stellen, sie umzudeuten und neue Perspektiven hinzuzufügen. Die Anteilnahme, die wir dort erfahren, kann uns nähren und das Beziehungsangebot des Beraters lässt uns eine Menge neue und positivere Erfahrungen machen.
Es grüßt Sie herzlich,
Bärbel Rapp
Bärbel Rapp
27. Mai 2010
04.
[...] Wenn Sie Hilfe durch psychologische Beratung bzw. Psychotherapie suchen, empfehle ich Ihnen als erst… Dazu gehören: Ihre Hausärztin und Ihr Hausarzt Pfarrerinnen und Pfarrer Die örtliche Telefonseelsorg Öffentliche Beratungsstellen Befreundete Frauen und Männer, zuletzt genannt aber besonders wichtig! [...]
Wie finde ich qualifizierte psychologische Beratung und Psychotherapie? / AUF>RICHTUNG E. V. - Initiative zur Insolvenzbewältigung
27. Mai 2010
05.
Lieber Thomas,
in Ihrem Beitrag äußerten Sie die Frage “wie soll man sich da eine fachliche, psychologische Betreuung leisten können?”
Ein erster Schritt kann die telefonische Unterstützung durch ein kostenfreies Gespräch mit Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern der Telefonseelsorge sein. Dieser Dienst steht Ihnen Tag und Nacht anonym zur Verfügung.
Sie können dort mit einem Menschen mit psychologischer Grundausbildung Ihre Situation durchsprechen, weitere Schritte erörtern und Informationen über Beratungseinrichtungen erhalten.
Vielleicht schieben Sie z.B. seit Stunden das Öffnen eines Briefes vor sich her – mit der Mitarbeiterin der Telefonseelsorge könnten Sie in einem Telefonat besprechen, welche Ängste verhindern, dass Sie den Brief öffnen und auf welche Weise Sie den Mut finden könnten sich mit dem Inhalt des Briefes auseinanderzusetzen. Oder sie grübeln in der Nacht über Ihre Lage bis sie immer verzweifelter sind – mit einem Mitarbeiter der Telefonseelsorge könnten Sie in der Nacht sprechen und einen Weg aus der belastenden Stimmung suchen.
Sie erreichen die Telefonseelsorge bundesweit unter 0800 1110111 oder 0800 1110222
oder im Internet unter http://www.telefonseelsorge.de
Susanne Schmidt
28. Mai 2010
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