18. August 2009
Ich sitze hier und schreibe diese Geschichte meiner Privatinsolvenz um zu zeigen, dass ich keine Person bin, die es sich so superleicht macht. Verstehen Sie mich aber bitte nicht falsch, ich will nicht jammern. Ich habe die Kredite unterschrieben und muss auch dafür gerade stehen. Aber es könnte jetzt mal gut sein. Ich bräuchte dringend mal etwas Ruhe in meinem Leben, um neue Kraft zu schöpfen.
Ich habe kein Problem damit, dass meine Schilderung anonymisiert in diesem Blog erscheint. Ich hoffe, dass es anderen hilft, nicht die gleichen Fehler zu machen.
Mein Name ist Ulrike, ich bin 49 Jahre alt. Ich bin seit 30 Jahren im Pflegemanagement einer Kurklinik beschäftigt.
Ich und mein damaliger Mann haben einen großen Teil unseres Lebens auf zu großem Fuß gelebt. Schuldig habe ich mich dadurch gemacht, dass ich nicht früher die Notbremse gezogen habe. Als ich es endlich geschafft habe und meinem Mann den Geldhahn zugedreht habe, hat er begonnen, mich mit Frauen zu betrügen, die ihn finanziell unterstützt haben. Im Dezember 2006 hatte ich mich endlich soweit “freigestrampelt”, dass ich ihm meinen Entschluss zur endgültigen Trennung mitgeteilt habe.
Ich habe schon immer innerhalb meines Ehelebens die größere Belastung getragen, da ich mehr verdient habe. Außerdem hat mein Exmann eine Anstellung nie länger als maximal 1-2 Jahre behalten, so dass ich gezwungen war, sein und nicht mein Leben zu leben ( einer in der Beziehung muss ja die finanzielle Absicherung gewähren).
Wir hatten ein Haus für 5 Jahre gemietet und bei der Trennung waren erst 2 Jahre um. Ich konnte mit meinem Vermieter aushandeln, dass der Mietvetrag zum Juni 2007 frühzeitig aufgelöst wurde. Mein Exmann hat mir Januar und Februar 2007 das Leben zur Hölle gemacht. Ich hatte noch nie in meinem Leben eine solche Angst! Dann ist er Mitte März ausgezogen und hat mich mit 800€ Miete + Nebenkosten und anfallenden gemeinsamen Schulden im Regen stehen lassen. Seit Oktober 2006 (er war mal wieder arbeitslos) hat er sowieso nichts mehr zum Unterhalt beigetragen. Wenn ich meine Familie in dieser Situation nicht gehabt hätte, weiß ich nicht, was passiert wäre. Ich bin niemandem was schuldig geblieben, habe meine Miete, Kreditraten und Restschulden pünktlich bezahlt.
Nachdem sich die Situation zwischen meinem Exmann und mir etwas entspannt hatte, haben wir wie ich glaube, eine relativ faire Trennung vollzogen. Die Absprache war die, dass ich den 20.000€ Kredit mit 600€ monatlich zurückzahle und er den 5000€ Kredit mit 100 € monatlich und seinen 16000€ Autokredit (Den habe ich nur unter größtem Druck mitunterschrieben.) mit ca. 260€ monatlich zurückzahlt. Außerdem blieben für mich noch einige Schulden (Handy, Telefon, …), die auf meinen Namen liefen und ich in meiner grenzenlosen Naivität und Blödheit einfach nicht frühzeitig kontrolliert habe.
Nachdem ich mein Leben wieder einigermaßen im Griff hatte, (suchen Sie mal eine Wohnung mit Schufaeinträgen, Kaution konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch keine bezahlen, durch meine Leitungaufgabein der Klinik habe ich viel Stress und trage jede Menge Verantwortung), habe ich begonnen mit den Schuldnern vernünftige Ratenzahlungen auszuhandeln. Ich habe seit meiner Trennung ca. 25000€ Schulden abbezahlt (Das ist belegbar!). Im Dezember 2011 wäre ich für meinen Teil schuldenfrei gewesen. Wenn? Ja, wenn mein Exmann sich an seinen Teil der Abmachung gehalten hätte. Dieser hat aber seit unserer Trennung seine Schulden (laut eigenen Aussagen) auf 70.000€ – 80.000€ vergrößert. Ich will Ihnen nur die Größenordnungen vor Augen führen.
Seit letztem Jahr bezahlt er seinen Anteil nicht mehr. Dies bedeutet für mich, dass sich die Gläubiger an mich gewandt haben. Ich habe mir wirklich die Finger wund geschrieben, um Kürzungen der Kreditraten zu erhalten, damit ich dann halt den Rest auch noch abbezahlen konnte. Aber man hat keins meiner Angebote angenommen, erst als das Insolvenzverfahren ins Laufen kam, aber da war es schon zu spät.
Ich habe die letzten Jahre wie eine Verrückte geschuftet, um möglichst viel Geld zu verdienen. Ich habe mich nach einem Zweitjob umgesehen, um noch mehr Geld zu verdienen. Doch dann hat mir mein völlig ausgebrannter Körper einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich habe innerhalb von 2 Monaten schlimme Virusinfektionen bekommen und als kleine Zugabe noch Bandscheibenvorfälle. Ich habe mich also selbst ausgebremst!
Also bin ich zu einer Schuldnerberatungsstelle, damit mir jemand hilft, meine Gläubiger zu überreden, auf meine Vorschläge einzugehen. Ich habe nicht im Traum daran gedacht eine Privatinsolvenz zu starten. Mir wurde erklärt, dass ich überschuldet sei und ich durch das Schuldenbereinigungsverfahren oder die Privatinsolvenz in einem absehbaren Zeitraum schuldenfrei sein würde. Nach langem Überlegen (ich habe noch einen 2. Termin wahrgenommen), habe ich mich darauf eingelassen.
Jetzt sitze ich hier und schreibe, um zu zeigen, dass ich keine Person bin, die sich das so superleicht macht. Ich habe wirklich in den Jahren seit meiner Trennung mein Leben privat als auch finanziell im Griff gehabt. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich will nicht jammern. Ich habe die Kredite mit unterschrieben und muss auch dafür gerade stehen. Aber es könnte jetzt mal gut sein. Ich bräuchte dringend Mal etwas Ruhe in meinem Leben, um neue Kraft zu schöpfen.



Kommentare >
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Hallo Ulrike…
ich bin einfach froh, dass es jetzt dieses Forum gibt. Auch ich bin in ähnlicher Situation. Es gab Jahre, da sah ich die Schuld nur…ich betone nur! bei mir. Habe mich gesellschaftlich abgewandt. Nur mit Hilfe von Freunden…nein, eine familiäre Unterstützung gab es nicht..bis zum heutigen Tag!habe ich es geschafft für mein Grundeinkommen aufzukommen. Jeder weiß hier, dass der Verdienst bis zur Pfändungsgrenze abgeführt werden muß. Ich wurde von einem zum anderen Tag das “schwarze” Schaf. Bis ich dann mir selber schwor…es gibt niemenanden mehr, der dich klein bekommt. Ich weiß, dass ist ein schwerer Weg. Aber hier…ich meine das Forum…sind ähnliche Schicksale.
Eins hoffe ich auf jeden Fall: gestärkt eines Tages aus der Geschichte herauszukommen. Das Gleiche wünsche ich auch allen die diese Zeilen lesen. Den anderen Menschen rate ich nur: begegnet uns nicht mit Arroganz und Hochmut. Es kann euch jeden Tag selber treffen. Krankheit, Arbeitslosigkeit sind nur Grundbeispiele!
Ganz liebe Grüße von Ragnhild
Ragnhild
23. August 2009
02.
Liebe Ulrike und liebe Ragnhild!
es beeindruckt mich tief von Euch hier zu lesen. Zu sehen, wieviel Not und Leid Ihr durchstehen könnt und wie mutig Ihr bleibt Euren Weg weiter zu gehen. Die Fähigkeiten, die Ihr entwickelt in Zeiten existentieller Not um zu „überleben“ sind bemerkenswert.
Ich lese z.Zt. das erste Buch von Boris Grundl „Steh auf!“. Grundl ist nach einem Unfall querschnittgelähmt und beschreibt nach 18 Jahren seinen Weg zurück ins Leben. Jedes einzelne seiner Kapitel berührt allein schon durch Überschriften wie „Konzentriere dich – auf das was ist“, oder im Nachwort „Mein Aufprall ins Leben“.
Ist der Auslöser für persönliche Entwicklung ein wirtschaftliches, ein gesundheitliches oder bei Trennung/Scheidung ein Beziehungs – Scheitern: Mein Respekt vor Euch, die Ihr die Kraft des immer wieder neuen Aufrichtens habt, ist riesengroß!!
Bärbel Rapp
27. August 2009
03.
Sehr mutig darüber zu schreiben =), wir beschäftigen uns professionell mit dem Thema!
Miriam
7. April 2010
04.
Ich bin durch die Deutsche Bank in Schulden geraten.
Habe eine Wohnung gekauft, es kam raus das die Bank die Wohnung 400% zu teuer verkauft hat. Bei Gericht habe ich in der Ersten Instanz verloren.Aus gesundheitlichen Gründen kann ich meinen Beruf nicht mehr ausüben.Bekomme 505Euro Überbrückungsgeld. Ich werde 49 Jahre alt und habe 80000Euro Schulden. Meine Frau arbeitet bei schlecker da weiß man auch nicht wie es weitergeht.
Kann mir einer helfen !mit tipps!
Holerg Sand
18. Mai 2010
05.
Ich habe noch ca 2Jahre Wohlverhaltensphase.Zahle immer jährlich die Insolvenzverwalterkosten ,weil nichts mehr von der Masse da ist.Arbeit hatte ich nur in den ersten 2 Jahren.Das Einkommen war jedoch zu niedrig zum Pfänden.Besteht trotzdem Hoffnung auf Restschuldbefreiung?
Unsere finanzielle Situation ist schlecht.Es ist mir auch nicht möglich,etwas vom Gehalt meines Mannes abzuknapsen.Hat jemand schon Erfahrung?
Ursula
19. Mai 2010
06.
Hallo Holger,
der Verein Aufrichtung führt ca. alle 2 Wochen
kleine Gruppentreffen durch. Die Termine werden
hier vorher bekannt gegeben. Dort kann man seine
Probleme innerhalb der Gruppe schildern.
Ich bin schon über ein Jahr dabei und finde immer
wieder neue Anregungen und Tips gerade weil auch
Juristen anwesend sind!
Das mal als Tip!
Oliver
20. Mai 2010
07.
Hallo an alle, die den Mut haben und hier Ihre Geschichte erzählen…
ich kann aus eigener Erfahrung sagen: wenn die “Karre” im Sand steckt, ist es richtig und sinnvoll, alle Fragen und Situationen mit dem IV durchzusprechen und möglichst auch in einem Protokoll festhalten. Dann steht einer Restchuldbefreiung nichts im Weg. Es sind immer mal wieder “Steine im Weg” die weggeräumt werden müssen…6 Jahre sind lang…am Anfang…aber sie gehen vorbei!
Ragnhild
20. Mai 2010
08.
Liebe Ursula Kapinsky,
nun haben Sie es ja fast geschafft. Die letzten zwei Jahre dieser so genannten Wohlverhaltensperiode gehen auch vorbei. Dann ist es endlich überstanden.
Und Sie fragen nach Hoffnung auf Erteilung der Restschuldbefreiung. Es freut mich, Ihnen diese Hoffnung geben zu können:
Zwar gibt es vereinzelt Stimmen, dass eine Befreiung von allen Schulden auch ohne jede Zahlung “eigentlich nicht sein dürfe”. Die Insolvenzordnung sieht aber eben gerade keine Mindestquote für die Gläubiger vor. Sonst würde ja ein Verfahren für all diejenigen keinen Sinn machen, die aus welchen Gründen auch immer am Existenzminimum leben.
Wenn Sie allerdings noch nie Zahlungen an den Treuhänder geleistet haben und auch sonst kein Vermögen vorhanden war, stellt suich die Frage nach den Verfahrenskosten.
Diese sind ja bei Eröffnung gestundet worden. Nach Erteilung der Restschuldbefreiung wird die Staatskasse an Sie heran treten und erfragen, ob Sie die Kosten nach diesen 6 Jahren bezahlen können. Wichtig ist dann, diese Fragen zu beantworten.
Je nach Situation kann es dann sein, dass Sie zumindest Raten bezahlen müssen. Die Kosten dürften sich auf etwa 1.500,– bis 1.800,– € belaufen.
So hoffe ich, Ihnen geholfen zu haben und grüße Sie ganz herzlich
Johann Coenen
Auf>Richtung e.V.
Johann Coenen
21. Mai 2010
09.
Ich bedanke mich recht herzlich für die Antwort.Ich bin so froh,dass es Hoffnung für mich gibt.Die Verfahrenskosten-wenn man die in Raten bezahlen kann-wäre ja toll.
Das was ich da jetzt jährlich an die Insolvenzverwalterin zahle,hat nichts damit zu tun,oder?
Ursula
21. Mai 2010
10.
Ich habe jetzt seit 2008 ein privates Insolvenzverfahren, seit anfang an in einer ruhefase kann mir jemand erklären was das bedeutet?
Ich habe damals wegen verlusts meiner Arbeit laufende kredite un laufende kosten nicht mehr zahlen können und nach kurzer zeit habe ich den überblick über alles verloren und kam dann zu dem Entschluss das ich es nicht mehr schaffe.
Jetzt jobbe ich schon seit dem mal hier mal da und bin immer noch am Existenzminnimum jetzt bin ich 3 Monate arbeitslos und hatte probleme wieder meine Miete zu zahlen ich weis nicht wie genau sich das jetzt verhält mit neuschulden kann mir da jemand weiterhelfen.
Joel
26. November 2010
11.
guten Morgen,
Ich bin seit 2007 selbständig im Gartenbau tätig,und alles fing an als ein grosser Kunde insolvenz ging und ich auf meiner Rechnung von 6.000 € hängen blieb. ich dachte ich bekomme das alles trotzdem hin,was leider ein Fehler war denn meine monatlichen Kosten blieben .So musste es natürlich kommen das auch mein Arbeitsauto den Geist aufgab und ich ein günstiges gebrauchtes brauchte .So fing der Rattenschwanz an und man fing an eigene Zahlungen zu verschieben und es kamen erste Mahnungen.Dann wurde ich krank konnte paar Wochen nicht arbeiten und verlor dadurch einige wichtige Kunden.Ich konnte immer weniger Rechnungen begleichen und fing an zu resignieren.Dann bekam ich Post von der Krankenkasse das ca 10.000 zahlen muss da ich obwohl nie beim Arzt war hochgestuft wurde auf monatlich 599 €. Durch das resiegnieren öfnete ich immer weniger die Post und auch nicht vorher die von der Krankenkasse.Und nun ist mein Gedanke einer privatinsolvenz gruss Martin
Martin
2. Februar 2012
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