14. Mai 2009

Häufig folgen Scheitern, Scham und soziale Isolation einander. Menschliche Nähe, Zuspruch, Liebe und der Entschluss sich darauf einzulassen führen hingegen in die Aufrichtung.

Wir alle haben Erfahrung mit Scheitern, Scham und Aufrichtung.

Die Älteren von uns werden den Spruch  kennen!

  • “Ab, in die Ecke! Schäm Dich!”

In die Ecke zum Schämen mussten wir, wenn wir uns nicht benommen hatten oder Fehler machten. Die Erwachsenen haben bestimmt, was das war. In der Ecke, Gesicht zur Wand, hatte man immer das Gefühl, dass die Anderen lachten und mit dem Finger zeigten:. „Seht den da!“ Sehr einsam war man in der Ecke.

Viele von uns dürften dieses Gefühl, das uns in der Kindheit beigebracht wurde, auch heute noch  kennen. Wenn uns etwas daneben geht, wenn wir uns im Restaurant bekleckern, kommt sofort die Angst hoch, dass unsere Umwelt über uns lacht, uns verachtet oder als schwach bemitleidet. Wir schämen uns. Es entsteht eine unsichtbare Wand zwischen uns und den Anderen. Wir haben Angst, ihre Anerkennung und ihre Liebe zu verlieren. Ich bin sicher, auch Sie kennen das.

Bei ernsthaften Katastrophen, bei beruflich-wirtschaftlichem Scheitern, bei Insolvenz, Arbeitslosigkeit oder dem Zerbrechen einer Paarbeziehung ist das Gefühl der Scham und der Isolation umso dramatischer.

  • In die Ecke, schäm Dich!“

ist ein Spruch aus unserer Kindheit. Das Konkurrenzprogramm hieß

  • „Kopf hoch! Das kann jedem passieren! Versuch es nochmal! Ich glaube dass Du es hinkriegst!“

und ganz wichtig

  • „Was auch passiert, Du brauchst Dich nicht zu verstecken, ich hab Dich lieb!“

Heute als Erwachsene können wir uns entscheiden, welchem Programm aus unserer Lerngeschichte wir folgen. „Ab in die Ecke!“ oder „Kopf hoch!“.

Leicht ist diese Entscheidung nicht, aber sie steht uns offen! Wenn wir zulassen, dass die Menschen um uns herum, vor allem  unsere Lebenspartner, Freunde, Kinder, uns ihrer Liebe und Achtung versichern, ist ein großer Schritt getan. Wenn es uns dann noch gelingt uns mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen wie wir haben, auszutauschen und professionelle Unterstützung zulassen, sollte es uns gelingen uns aus der Scham aufzurichten, den Kopf wieder hoch zu tragen.

Für mich ist in diesem Zusammenhang der Begriff der Fehlerfreundlichkeit wichtig. Fehler sind Lernchancen, keine Katastrophen. Wenn es gelingt, das an unsere Kinder weiterzugeben, sind sie gegen Scham und die damit verbundene Vereinsamung besser geschützt als wir.

“Kopf hoch! Fehler kann jeder machen!”

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