5. März 2009

Wenn Menschen scheitern, wenn ihre Pläne für Arbeit, Beziehung und Betrieb zerbrechen, wenn Gewißheiten schwanken, liegt ein mühsamer Weg zu einem neuen Leben vor ihnen. Dabei hilft ihnen der Austausch mit Anderen, mit Betroffenen, mit Fachleuten. Entscheidend ist es jedoch, dass sie ohne moralische Besserwisserei und mit Freundlichkeit aufgenommen werden. Fehlerfreundlichkeit ist Grundbedingung für Hilfe und Unterstützung.

Keiner von uns kommt durchs Leben, ohne mit Unternehmungen, die er voller Zuversicht und Freude begonnen hat, auf die Nase zu fallen, zu scheitern. Eine meiner frühesten Erinnerungen handelt von dem Versuch Rollschuh zu laufen. Gelernt habe ich davon, dass Scheitern mit Schmerzen verbunden ist und dass das Leben danach weitergeht. Was mich betrifft im Ganzen mit Erfolg. Ein Fall endet meist in Aufrichtung.

Auf die Nase gefallen bin ich in meinem Leben noch häufig. Auch in meiner Arbeit als psychologischer Berater und systemisch orientierter Coach ist Scheitern und die Möglichkeit des Neubeginns, der Neuorientierung, regelmäßiges Thema. Hier meine Erfahrungen:

Wie in der Trauer um einen geliebten Menschen erlebe ich bei Situationen des Scheiterns einer Liebesbeziehung oder des Scheiterns einer Berufs-Karriere, einer Unternehmer-Karriere verschieden aufeinander folgende Phasen.

  • Erschrecken
    Erschrecken ist im Erleben eine absolute Ausnahmesituation. Alles was wir selbstverständlich als vorhanden und sicher erlebten, ist plötzlich weg. Für eine kurze Zeit fehlt mir jede Orientierung, bis ich langsam merke, was passiert ist. Das vorherrschende Gefühl ist Unwirklichkeit. “Das kann nicht wahr sein!”
  • Nicht-Wahrhaben-Wollen, Verleugnung
    Hier suchen wir nach einem Weg zurück. Wir vermuten eine Täuschung, wollen die Realität nicht sehen, streiten mit unserem Schicksal. Wenn uns dann langsam bewuss wird, das wir uns nicht täuschen, überwältigt uns häufig das Gefühl, dass dies nun das Ende sei.
  • Verzweiflung
    Dies Phase ist meist nur ein Durchgang, der das Alte vom Neuen trennt. Der Weg zurück ist weg, der Weg nach vorne noch nicht in Sicht. Es kann passieren, dass Menschen, die scheitern, in dieser Phase verharren. Die meisten richten.sich jedoch auf und gehen weiter.
     
  • Auseinandersetzung mit der Realität, Aufrichtung
    Am Beginn steht die Konfrontation mit der Vorgeschichte, den Ursachen. Besonders wichtig ist die Frage nach den eigenen Beiträgen, die zum Scheitern führten. Es geht aber auch um eine Bestandsaufnahme dessen, was noch verfügbar und wertvoll ist, was in die Zukunft mitgenommen werden sollte. Die Bestandsaufnahme der eigenen Möglichkeiten und Stärken hat hier ihren Platz
  • Sich auf den Weg machen, Neubeginn und Lösung
    Neue Ziele kommen in den Blick, der Schmerz über das Verlorene verblasst. Es werden neu Pläne gemacht, in denen das aus der Vergangenheit Gerettete an Fähigkeiten und Träumen seinen neuen Platz findet. Der Abschluss, in dem es auch möglich ist, mit dem Scheitern Frieden zu schließen, bildet den Übergang in einen neuen Alttag.

In der überwiegenden Anzahl der Fälle wird dieser Weg erleichtert und verkürzt, wenn er in Begleitung und mit Hilfe anderer Menschen beschritten wird. Entscheidend ist es jedoch, dass die Betroffenen ohne moralische Besserwisserei und mit Freundlichkeit aufgenommen werden. Wenn Sie von Insolvenz bzw. Scheitern Ihres Unternehmens betroffen sind, finden Sie hier bei Auf>Richtung die Möglichkeit sich mit anderen und mit uns im Netz zu treffen, sich virtuell am Austausch zum Thema zu beteiligen.

Für alle Situationen des Scheitern, sei es in Beziehungen, sei es im Berufsleben, gilt, dass Beratung und Coaching durch Fachleute aus Rechts- und Sozialwissenschaft weiterhilft, wenn es darum geht, den erlittenen Verlust nach Trauer hinter sich zu lassen, das Verbliebene zu sichten, den Blick nach vorne zu richten und zielstrebig neue Ziele anzustreben.

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