4. März 2009
Richtet sich das Angebot von Auf>Richtung e. V. eigentlich an jeden Schuldner? Grundsätzlich ja. Allerdings ist der Begriff Schuldner dabei differenziert zu sehen. Denn ebenso wie Privatleute aus unterschiedlichen Gründen zu Schuldnern werden, geraten Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen in eine Insolvenz. Dementsprechend kann die Initiative helfen oder eben nicht. Ein Kommentar …
Meiner Ansicht nach lassen sich die Schuldner in verschiedene Gruppen einteilen. Für bestimmte Gruppen ist das Engagement von Auf>Richtung dann auch sehr sinnvoll, weil es wirklich notwendig ist und sich an redliche Schuldner wendet. In anderen Fällen hingegen wäre es vollkommen überflüssig.
Eine Hilfe ist Auf>Richtung e. V. für folgende Menschen: Erstens sind das die Personen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit oder anderer Schicksalsschläge nicht mehr in der Lage sind, ihren laufenden Verbindlichkeiten nachzukommen. Für sie ist der Ausdruck Schuldner meiner Ansicht nach bereits eine Beleidigung. Sie brauchen Hilfe und moralische Unterstützung. Für solche Menschen ist die Restschuldbefreiung gedacht.
Zweitens sind das die Schuldner, die privat für ein gescheitertes Unternehmen haften. Das sind in der Regel aufrichtige Leute, die zum Teil in ein richtiges Loch fallen. Für sie ist Auf>Richtung e. V. sicher ein Halt und eine Hilfe.
Generell gesehen sind das die zwei Personengruppen, die sich wahrhaft bemühen, möglichst viel wieder gut zu machen. Sie moralisch wieder aufzufangen und in ihren Bemühungen zu unterstützen, ist das Ziel von Auf>Richtung.
Folgende Schuldner-Gruppen zu erreichen, dürfte für die Initiative hingegen schwer oder unmöglich sein, wenn es nicht sogar vergebliche Mühe ist:
Zunächst einmal sind das die notorischen Schuldner, die immer wieder über ihre Verhältnisse leben und gar nicht anders können. Die Restschuldbefreiung ist da nicht mehr als ein Abhaken bestimmter älterer Forderungen. Die neuen sind zu dem Zeitpunkt der Erteilung schon wieder voll da. Da nutzt auch die Unterstützung durch Auf>Richtung nichts. Diese Schuldner sind auch unter den Firmeninsolvenzen zu finden, da sie in der Regel der Ansicht sind, man muss schnell reich sein. Diese Gruppe nahm anfangs meines Erachtens ca. 80 % der Schuldner ein. Dies hat sich jedoch in den letzten Jahren aufgrund der tatsächlich häufig viel zu niedrigen Einkommen erheblich verlagert.
Zuletzt sind da noch die Cleveren, die das Verfahren ausnutzen, um noch schnell ein paar Schulden zu machen und für ein bis zwei Jahre mal richtig zu leben, bevor sie Insolvenz anmelden. Sie kaufen vorher noch eine neue Einbauküche, leasen sich noch für einige Monate ein richtig großes Auto und machen noch andere Dinge in dem Bewusstsein, dass durch die Restschuldbefreiung alles wegfällt. Sie haben kein schlechtes Gewissen und brauchen keine moralische Unterstützung. Sie sind die absoluten Schmarotzer unseres Systems. Man findet sie auch als Gesellschafter oder Geschäftsführer von Unternehmen, die vor der Insolvenz die Werte beiseite schaffen und auch danach stets privat bestens dastehen.
Ähnlich wie bei den privaten Schuldnern verhält es sich bei Unternehmensinsolvenzen. Auch hier sind die Gründe unterschiedlich zu sehen:
Erstens gibt es hier alt eingesessene Firmen, die von teilweise nicht mehr zeitgemäß handelnden älteren Personen geleitet werden und den Anschluss verloren haben. Die Gesellschafter oder Inhaber sind sich ihres Scheiterns bitter bewusst und brauchen sicher Hilfe. Dann sind da neuere Unternehmen, bei denen die Gesellschafter oder Inhaber einfach kaufmännisch überfordert sind. Sie arbeiten mit viel Idealismus, vergessen aber, dass sich alles rechnen muss, oder vertrauen Dritten, die sie dann in den Ruin führen. Hier mag Hilfe willkommen sein.
Dazu gibt es gute Unternehmer, die einfach nicht den finanziellen Hintergrund haben, sich ständig ändernden Gegebenheiten des Marktes anzupassen oder Durststrecken auszuhalten. Oder Unternehmen, beispielsweise Handwerker, die bei zu hohen Forderungsausfällen am Dominoeffekt scheitern.
Schließlich existieren auch bei den Unternehmern die bereits oben erwähnten Cleveren, die das System zu ihrem Vorteil ausnutzen.
(Name des Autors der Redaktion bekannt)



Kommentare >
Kommentar schreiben01.
Lieber mir unbekannter Autor,
ich habe Probleme mit diesem Beitrag. Er enthält neben vielem Richtigen auch einiges, das ich fragwürdig und ärgerlich finde.
Da ist zunächst die m.E. unzulässige Vermischung von Verschuldung und Betrug. Ich weiß, dass es da fließende Grenzen gibt, aber etwas mehr begriffliche Klarheit wäre hilfreich. Schon die Überschrift, die Schicksalsschlag und Berechnung als gleichwertig zu betrachtende Kriterien für Verschuldung nennt, befremdet mich.
Anstößig ist für mich jedoch die “Bewertung” von Menschen als (Zitat:)”die absoluten Schmarotzer unseres Systems”. Sicher haben die Beschriebenen schuldhaft gehandelt und müssen sich damit konfrontieren lassen. Dabei wünschte ich mir etwas mehr Fehlerfreundlichkeit. Sicher kennen auch Sie, lieber mir unbekannter Autor die Geschichte, in der Jesus von Nazareth sich weigert die “Sünderin” zu steinigen. Er übersieht ihre Schuld nicht und entschuldigt sie nicht, aber er verweigert sich der moralischen Entrüstung seiner Umgebung.
Er handelt fehlerfreundlich, menschlich. (Johannes 8,1-11)
Diese Haltung ist für mich und meine Arbeit in Auf>Richtung unverzichtbar.
Eberhard Bohrisch
Eberhard Bohrisch
5. März 2009
02.
Ich schließe mich den Ausführungen meines Vorkommentators an, allerdings bin ich mächtig verärgert über einen derartig unreflektierten Beitrag, wie ihn der leider unbekannte Autor geleistet hat.
Eine Frage an den Autor vorweg: Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht oder wie kommt es, dass Sie derart radikal mit der “zweiten Art von Schuldnern” abrechnen?
Glauben Sie denn wirklich, dass die meisten Schuldner dies absichtlich herbeigeführt haben? Denken Sie nicht, dass ein Mensch, der ein Unternehmen gründet, mehr von diesem Unternehmen hat, wenn er es wirtschaftlich führt? Denken Sie wirklich, dass ausgebildete BWL-Kräfte so unintelligent sind, dass Gelernte NICHT anzuwenden?
Sie reden davon, das “anfangs” 80% der Schuldner notorische Schuldner seien. Ich weiß nicht, wann ihrer Meinung nach der erste Mensch Schulden machte, aber selbst wenn wir nur ins Mittelalter zurückgehen, wäre ihre These schon widerlegt.
Natürlich gibt es auch schwarze Schafe unter den Schuldnern, aber zeigen Sie mir einen Bereich des Lebens, in dem es nicht Querolanten gibt. Es sind halt “nur Menschen”.
Sebastian
12. März 2009
03.
Nun habt euch alle mal nicht so. Wer ein Unternehmen eröffnet muss sich klar sein, dass es nur eins gibt Erfolg oder Niederlage. Leute die sich dessen nicht bewusst sind, gehen über kurz oder lang unter.
Idealismus hat in unserer Welt nichtsmehr verloren.
Und wenn es keine Unsummen an Insolvenzhilfen gäbe, stünde Deutschland heute viel besser dar.
So Long
Flug Australien
30. April 2009
04.
Hallo,
auch ich schließe mich den Ausführungen meiner Vorgänger an, wobei ich den Artikel des unbekannten Autors als nicht gänzlich verfehlt ansehe.
Ich denke nicht, dass der Begriff “Schuldner” in irgendeiner Weise eine Beleidigung darstellt. An sich ist dieser Begriff nur ein Terminus, um eine bestimme Situation zu beschreiben ohne diese zu werten.
Auch finde ich dass Unternehmer, die nicht privat haften durch das Untergehen des Unternehmens in ein Loch fallen können. Es kommt einfach immer auf die jeweilige Situation und den Betroffenen selbst an und ist für Außenstehende nicht pauschal analysierbar.
Allerdings muss ich zu meinem Vorgänger anmerken, dass es auch durchaus sehr gut ausbildete BWL-Kräfte gibt, die ihr Wissen nicht in die Praxis umsetzen können, da sie nur Theoretiker sind und den Praxistransfer nicht beherrschen, was an sich aber nicht für “Unintelligenz” spricht.
Und klar sind es “nur Menschen” (Zitat), aber hier geht es ja um die Diskussion, welche Schuldner die Hilfe von Auf>Richtung e. V. beanspruchen und wie das zu bewerten ist. Dass wir alle mal Fehler machen, steht an sich ausser Frage, da es nunmal erwiesen ist.
Flug Australien
30. April 2009
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