26. Februar 2009

Trennungs- / Scheidungssituationen bringen alle Familienmitglieder in einen emotionalen Ausnahmezustand. Kommt Insolvenz dazu wächst die Hoffnungslosigkeit in eine schwer zu bewältigende Zukunft. Eltern, die noch mit sich selbst, ihrer Existenz und ihrem Ex-PartnerIn kämpfen, können leicht den Blick für die Bedürfnisse ihrer Kinder verlieren. Beratung, die darauf geschult und ausgerichtet ist, in diesen Situationen zu unterstützen, kann Entlastung und Neuorientierung bieten.

Insolvenz ist für die Betroffenen immer mit Trennung verbunden. Trennung vom gewohnten Lebensstil, vom gesellschaftlichen Status, vom vertrauten sozialen Umfeld, von lieb gewordenen Hobbys und manchem mehr.

Da problematische Paarbeziehungen in der Vorgeschichte von Unternehmensinsolvenzen relativ häufig vorkommen und Elternpaare sich mitunter in Folge von Insolvenz trennen, finden sich unter den „Insolvenzgeschädigten“ auch relativ viele „Trennung- und Scheidungskinder“.

Diese Kinder brauchen besonders viel Zuwendung der zerstrittenen Eltern und möglichst auch Hilfe von außen.

Es ist verständlich, dass in der Phase der Trennung/Scheidung die Eltern gebunden sind in ihren Enttäuschungen, in ihren Schuld- und Opferhaltungen. Sie erleben sich selbst als hilflos, ohnmächtig, gekränkt, verletzt und verbittert. Kommt es in dieser Zeit zwischen Vater und Mutter  z.B. bei der Übergabe der Kinder nach einem Wochenende, zusätzlich zu einem offenen Schlagabtausch, kann dies vor den betroffenen Kindern kaum noch verborgen werden. Überschwemmt von den eigenen Gefühlen wird es immer schwieriger, die Bedürfnisse und die Loyalitätskonflikte der Kinder wahrzunehmen.

Die Kinder verlieren ihren geschützen Raum und reagieren mit den unterschiedlichsten Anzeichen auf die Nichtbewältigung ihres Erlebens, z.B. mit Schlafstörungen, Bettnässen, Essstörungen.
Manche Kinder ziehen sich in sich zurück, werden still. Sie können sich scheinbar gut mit sich selbst beschäftigen. Sie versinken in eine Art Traumwelt, schränken ihr Miteinander und den Kontakt mit Familienmitgliedern, Freunden, Lehrern ein und wirken wie problemlose, brave, angepasste Kinder, um die man sich nicht viel kümmern muss.
Andere Kinder erhöhen ihre Aktivitäten nach außen. Sie wirken aggressiver, wütend, suchen vermehrt Streit, zeigen ihre gesteigerte Unruhe und abfallende Konzentrationsfähigkeit und fallen damit häufig erstmals in der Schule auf.

Es ist sinnvoll, dass sich Eltern in dieser Zeit für sich selbst und für ihre Kinder nach Unterstützung umschauen. Der fachlich kompetente Umgang und das Verständnis und die Wertschätzung, die  in der Beratung diesem emotionalen Ausnahmezustand entgegen gebracht werden, kann die emotionalen Spitzen senken, Entlastung bringen und zur Gestaltung neuer Lösungs- und Zukunftsorientierung beitragen. Die Fähigkeiten der Elternverantwortung und das Kümmern im Sinne der Bedürfnisse der Kinder können wiederhergestellt werden.

Mit dem BeraterIn gemeinsam wird entschieden, ob das Kind alleine oder mit einem Elternteil gemeinsam Unterstützung bekommt.
Auch bieten spezielle Gruppenangebote einen spielerisch kreativen Umgang mit dem Trennungs- Scheidungserleben der Kinder an. Der Austausch der Kinder untereinander und das Angebot von Möglichkeiten, mit den verborgenen Gefühlen und Wünschen, die im Zusammenhang mit der Trennung der Eltern entstanden sind umzugehen, ermutigt sie und lässt sie ihre Orientierungsfähigkeit und Selbständigkeit wieder neu entdecken.
Informationen über Kursangebote erfahren Sie bei Beratungsstellen und Jugendämtern.

Autor.in >

brapp
Bärbel Rapp

Systemische Beraterin und Familientherapeutin (SG), Master Systemischer Coach (ECA)

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