24. Oktober 2008

Wie man das Scheitern geschickt vermarktet: ein lesenswertes Buch von und über die Autorin Anne Koark – leider nicht ohne fachliche Fehler und inhaltliche Lücken. Allen voran kaum Antworten auf die Frage, was die Ursachen ihrer Insolvenz waren.

Endlich ein Buch, dass das Thema des wirtschaftlichen/sozialen Scheiterns aus der Tabuzone holt und Einsichten in die Gefühlswelt einer Betroffenen liefert. Das ist der Anspruch des Buches.

Ich bin seit vielen Jahren Insolvenzverwalter und kenne als Insolvenzanwalt die Existenzängste, Zweifel und inneren Vorwürfe von Menschen, die teilweise von ganz oben nach ganz unten durchgerutscht sind.

Zum Glück hat sich die gesellschaftliche Einstellung zu solchen Schicksalen seit Einführung der Insolvenzordnung deutlich geändert und verbessert. Es ist ein Wandel erkennbar, obwohl sich das gesetzgeberische Leitbild von einem Restart noch nicht bei allen im Denken durchgesetzt hat.

Pleite ist nun einmal pleite, gescheitert ist gescheitert. Man muss neu anfangen, man hat die Chance dazu. Den Menschen hierbei zu helfen, ist auch eine wichtige Aufgabe der Personen, die mit Insolvenzen zu tun haben.

Dieser Neuanfang wird von Anne Koark exzellent dargestellt und wohl auch erfolgreich umgesetzt, wie Recherchen im Internet bestätigen. Das war es aber auch schon. Koark nutzt ihre Möglichkeiten und vermarktet sich und ihr Scheitern. Da es keine Alternativen auf dem Markt gibt, ist sie, ist das Buch gefragt.

Buchtitel "Insolvent und trotzdem erfolgreich"

Insolvent und trotzdem erfolgreich

Zu kurz, viel zu kurz kommt die Auseinandersetzung mit den Ursachen der Insolvenz, den Gründen für das Misslingen ihrer ursprünglichen unternehmerischen Idee. Welche Fehler hat sie gemacht, warum musste es soweit kommen? „Die Leute, die Insolvenz erfahren haben, haben sicherlich Fehler gemacht“ (S. 242). Das ist zu wenig.

Gewiss: Für einen Außenstehenden und Betroffenen ist die Insolvenzproblematik nicht einfach. Sie wurde von Koark weitgehend richtig dargestellt. Verzeihbar ist noch der Lapsus mit der Masseunzulänglichkeitsanzeige (S. 296). Peinlich und richtig falsch sind die seitenfüllenden Ausführungen, wonach sie dem (vorläufigen) Insolvenzverwalter kostenlos zur Verfügung stehen müsse und nichts zum Leben habe (S. 194).

Der Aufhänger im Sinne des Buches ist nachvollziehbar: Nur so ist es möglich, Bürokratismus und Inkompetenz der staatlichen Unterstützungsträger wie Arbeits- und Sozialamt darzustellen.

Richtig wäre es aber gewesen, dem breiten Publikum den Hinweis nicht vorzuenthalten, dass dem Insolvenzschuldner Unterhalt aus der Masse gewährt werden kann. Dies gilt erst recht, wenn der Schuldner für den Insolvenzverwalter arbeitet.

Trotz aller Kritik ingesamt ein lesenswertes Buch. Betroffene sollten sich allerdings nicht verunsichern lassen: Die großartigen Unterstützungen, Sympathieerklärungen der Gläubiger und Anteilnahme der Mitarbeiter, wie sie in diesem Buch immer wieder beschrieben werden, sind sonst wohl eher die Ausnahme.

Weitere Informationen:

  • Zur Website von Anne Koark mit Bestellmöglichkeit, Informationen zur Person, Pressestimmen, Veranstaltungshinweisen etc.: http://www.anne-koark.com/
  • Das Buch ist als gebundene (ISBN-Nr. 3-9810954-0-5) oder kartonierte (ISBN-Nr. 3-9810954-1-3) Version sowie als E-Book bei Insolvenzverlag.de erschienen und ab einem Preis von 9,95 Euro erhältlich.

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